Pflegeberufe haben grosse Zukunftschancen.

Enquete des Bundesrates zeigt die Herausforderungen der Zukunft auf.

Ist die Zukunft der Pflege schaffbar, sichtbar, leistbar? Das wurde mit Topp-Referenten im Rahmen einer Bundesrat-Enquete am 16. März 2017 im Parlament in Frage gestellt und diskutiert. Die Pflege wird als große Herausforderung für die Zukunft gesehen, somal die demografischen und gesellschaftlichen Entwicklungen das Thema „Pflege“ stark beeinflussen werden.

BR Hubert Koller fordert eine starke Aufwertung der Pflegeberufe.

Der BUNDESRAT nahm als die Zukunftskammer dieses schwierige Thema unter die Lupe. Es wurde zum Leitthema der Tiroler Vorsitzführung unter BR-Präsidentin Sonja Ledl-Rossmann. Der Gesundheits- und Krankenpflegeberuf ist schon jetzt ein Mangelberuf. Nach aktuellen Berechnungen werden aber im Jahr 2030 etwa 30.000 ausgebildete Pflegepersonen fehlen, wenn nicht rechtzeitig Maßnahmen eingeleitet werden. Viele ergreifen zwar den Beruf, gleiten aber dann in einen anderen Job ab. Ein Grund mehr sich das Berufsbild genau anzusehen und den Beruf in punkto Ausbildung und Entlohnung aufzuwerten. Ein wichtiger politischer Auftrag, der zum Handeln zwingt. Schuld daran ist einerseits die demografische, andererseits auch die gesellschaftliche Entwicklung. Mit der GuKG-Novelle 2016 wurde diese Aufwertung und Modernisierung des Berufsbildes bereits eingeleitet. Nahezu 75 Prozent aller pflegebedürftigen Personen werden derzeit zu Hause gepflegt und betreut. Die Pflege- und Betreuungsarbeit wird davon in rund 50 Prozent durch professionelle Pflege und Betreuungsdienste unterstützt. Die Unterstützung der pflegenden Angehörigen ist daher ein wichtiges Thema.

Demografische Entwicklung.
Demografische Entwicklung der 65-jährigen bis 2050

Durch das Steigen der Lebenserwartung infolge einer gesunder Lebensweise und guter medizinischer Versorgung wird der Anteil der 65-jährigen in den nächsten Jahren stark zunehmen. So wird für die Steiermark eine Zunahme bis 2050 von +70 Prozent prognostiziert. Jedenfalls ist in allen Bundesländern mit einem ähnlichen Anstieg der über 65-jährigen Österreicherinnen und Österreicher zu rechnen.

Gesellschaftliche Entwicklung.

Der Zunahme dieser Altersgruppe wird eine Zunahme der Einzelhaushalte einhergehen. Bereits jetzt leben schon rund 500.000 der 1.546.000 Personen über 65 Jahre, auch bedingt durch Trennung oder Tod ihres Partners, alleine. Ebenfalls nimmt die Zahl der Singlehaushalte in Österreich stark zu. Waren es 1986 noch rund 780.000, so waren es 2016  mit 1.500.000 bereits doppelt so viele. Das bedeutet, dass die Zahl der von Angehörigen gepflegten Personen extrem abnehmen wird, hingegen die externen Pflegeleistungen stark zunehmen werden.

GuKG-Novelle.

Die GuKG-Novelle 2016 sieht künftig die drei Ausbildungsmöglichkeiten vor: Pflegeassistenz (einjährig), Pflegefachassistenz (zweijährig) und Bachelor-Ausbildung (dreijährig). Dieser Schritt bedeutet eine Aufwertung und Modernisierung des Pflegeberufes. Im Bereich des gehobenen Dienstes (Fachhochschul-Ausbildung) bedeutet dies die Möglichkeit zu einer vertieften Qualifikation in Verbindung mit einer Kompetenzerweiterung für die Bereiche der medizinischen Diagnostik und Therapie.

Unterstützung von pflegenden Angehörigen.

Das große Engagement der Angehörigen ist derzeit noch die wichtigste Säule in der regionalen Versorgung pflege- und betreuungsbedürftiger Personen. Wie bereits erwähnt werden 75 Prozent aller Pflegegeldbezieher(innen) zu Hause gepflegt. Die Unterstützung der pflegenden Angehörigen muss uns deshalb ein großes Anliegen sein. Diese Unterstützung könnte in Form von entsprechenden Schulungsangeboten, durch Hilfsmittel und Hilfsdienste, durch Förderung des Erfahrungsaustausches, durch Entlastung mit Tagespflege- und Kurzzeitpflegeangebote oder weiteren Maßnahmen, wie: sozialversicherungsrechtliche Absicherung, sein.

Bedarfsorientierte Weiterentwicklung der Pflege.

Die bedarfsorientierte Weiterentwicklung ist aufgrund der zu erwartenden demografischen und gesellschaftspolitischen Entwicklung Pflicht. Dazu zählen u. a.  der Ausbau der stationären Pflege und der Mobilen Dienste nach dem Strukturplan Pflege 2012-2022, die Sicherstellung der wohnortnahen Versorgung, die Verbesserung der Kurzzeit- und Tagespflege, der Ausbau alternative Wohnformen (betreutes Wohnen, Wohngemeinschaften), die 24 Stunden-Betreuung und die persönliche Assistenz.

Finanzierung der Pflege.

Die Finanzierung der Pflege wird uns mehr Sorgen bereiten, als die Finanzierung der Pensionen. Im neuen Finanzausgleich ist es grundsätzlich gelungen die Finanzierung der notwendigsten Pflegeleistungen auch für die nächsten fünf Jahre abzusichern. Der vorgesehene Ausgabenpfad sieht aber nur ein plus von 4,6 Prozent pro Jahr vor. Land und Gemeinden stoßen jetzt schon an ihre Grenzen und begrüßen daher ausdrücklich die Verlängerung des Pflegefonds. Auch die Sozialversicherungsträger sind gefordert. Häufig anfallende medizinische Pflegeleistungen könnten an die Pflegestufe gekoppelt und in Pauschalbeträgen ersetzt werden, so ein bestehender Vorschlag.

Das Pflegegeldsystem gehört nach 25 Jahren Bestand aber einer gründlichen Evaluierung unterzogen. In den letzten Jahrzehnten hat das Pflegegeld mangels ausreichender Indexierung einen erheblichen Wertverlust erlitten. Ein Teil des Pflegesystem ist von demografischen und gesellschaftlichen Faktoren bestimmt.  Ein zweiter von den politischen Weichenstellungen. Ein Schlüsselpunkt ist sicher die künftige Personalsituation. Es braucht eine gründliche Analyse und eine optimale Abstimmung mit den vielen Systempartnern.

 

Quellen: Vortrag LR DI Dr. Bernhard Tilg, Tirol; Vortrag Österreichischer Gesundheits- und Krankenpflegeverband; Vortrag Mag. Walter Marschitz, Geschäftsführer „Sozialwirtschaft Österreich“.

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